Foodwaste ist der falsche Fokus

Ich habe zwei Wochen lang meine Küchenabfälle gewogen – und dabei die falschen Erbsen gezählt.

Letzte Woche ging die nationale Woche gegen Foodwaste zu Ende. Eine Woche lang haben unzählige Menschen Lebensmittel gerettet, Dinners organisiert und Feldforschung betrieben. Die Idee: Ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln reduziert wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Kosten.

Grossartig, habe ich mir gedacht, da mache ich mit! Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts „Aufgabeln“ habe ich zwei Wochen lang meine Küchenabfälle gewogen. Etwas mehr als 1 Kilo essbare Lebensmittel habe ich entsorgt – deutlich weniger als die 15 Kilo, die ein durchschnittlicher 5-Personen-Haushalt im gleichen Zeitraum vergeudet. So weit so gut. Doch gegen Ende der Messperiode hat es mir gedämmert: Foodwaste ist der falsche Fokus.

Für jede Kalorie, die auf meinem Teller landet, verbraucht die Produktion – Pflügen, Säen, Düngen, Wässern, Transport… – im Schnitt 10-15 Kalorien. Diese Energie ist verbrannt, bevor ich überhaupt die Gabel in die Hand nehme. Und: diese Energie stammt grösstenteils aus fossilen Quellen. Ob ich meinen Teller leer esse oder auf den Kompost kippe, ändert daran nichts. Der Unterschied ist bloss, wer die Kalorien verstoffwechselt – ich oder die Tierchen auf dem Kompost.

Foodwaste-Kampagnen ignorieren die fossile Produktion und insistieren stattdessen darauf, möglichst jede Kalorie durch einen menschlichen Magen zu schleusen. Die unausgesprochene Annahme dahinter: bei Menschen ist die Energie besser eingesetzt, als anderswo im Netz des Lebens (mehr Anthropozentrismus-Kritik gibt es hier und hier).

Das eigentliche Problem liegt nicht auf dem Kompost, sondern auf dem Acker. Solange die Lebensmittelproduktion zehnmal mehr Energie frisst, als sie uns zuführt, gerät die Ökologie immer mehr aus dem Gleichgewicht. Der Fokus auf individuelles Wegwerfen verschleiert diese grundlegende Nicht-Nachhaltigkeit, zementiert menschliches Überlegenheitsdenken und macht Konsument*innen für ein Problem verantwortlich, das nur auf systemischer Ebene gelöst werden kann.

Nächstes Jahr zähle ich nicht mehr die Erbsen auf dem Kompost, sondern Pflanze ein paar Apfelbäume.